Wir sind zu Hause
Wir haben jetzt ziemlich genau den ersten Monat hinter uns und kommen so langsam aber sicher zur Ruhe. In den letzten Wochen haben wir alles erledigt, was anfällt, wenn man nach Übersee zieht. Von Autokauf über Wohnungssuche, Behördengänge usw… [more]
Ja, es war ein ziemlicher Stress bis wir alles zusammen hatten und wir hatten noch nicht gerade viel Zeit uns die Umgebung anzusehen. Was aber gar nicht so ins Gewicht fiel, da wir letzte Woche einen kleinen Wintereinbruch mit 20 cm Schnee hatten – aber jeder hier versichert mir, dass es jetzt doch Frühling werden soll
Aber nun haben wir unser Auto (einen Dodge Journey, netter kleiner Familienvan), haben unser amerikanisches Häuschen gefunden (leider ohne Porch und rundherum wird noch gebaut), die Möbel ausgesucht und wir werden dort am 1. Mai einziehen und dann langsam aber sicher wird das normale Leben wieder bei uns einkehren.
All das war mit einer Menge Rennerei und Papierkrieg verbunden und um jedem, der auch mal hier her ziehen will, einige Leerläufe und Fehler zu ersparen, wollte ich hier kurz mal auflisten was denn so alles im Einzelnen zu tun ist:
Ankunft in Kanada
- Das wichtigste (nach dem Visum und der Arbeitserlaubnis) ist die SIN (Social Insurance Number), die Sozialversicherungsnummer. Ohne die können keine Löhne ausgezahlt werden und man kann auch nicht zum Arzt. Hier haben wir den Fehler gemacht, dass ganze per Post zu erledigen. Bitte macht dass nicht! Geht nach der Ankung mit all Euren Papieren zur kanadischen Regierungsvertretung (der Canada Place hier in Edmonton) und dort zur Abteilung “Services Canada”. Dort kann das Ganze innerhalb kurzer Zeit abgewickelt werden und ihr müsst nicht wie wir ewig auf diese blöde Nummer warten. Denn ohne die seid ihr hier aufgeschmissen
- Nachdem ihr die SIN habt, geht zur Health Care (in jeder Provinz etwas anders) und beantragt die Krankenversicherung für die ganze Familie.
- Am besten gleich auch noch ein Bankkonto mit Bank- und Kreditkarte eröffnen. Hier wird alles mit Karte gemacht, sogar Kleinsteinkäufe unter fünf Dollar werden mit der Karte bezahlt. Und bestellt euch gleich Schecks mit – auf Rechnung bekommt man hier als frischer Immigrant gar nichts, jeder will die Kreditkarte oder einen Scheck (für Miete usw…). Und beim Internetbanking sind sie ganz weit hinten…
- Gewöhnt euch daran, für alles und jeden irgendwelche security deposits zu hinterlegen, eine Art Sicherheit damit mGean auch ja nicht ohne zu bezahlen wieder abhaut
Autokauf
- So ziemlich das Erste was man hier braucht ist ein Auto. Da der ganze Autokauf in der Regel nicht so schnell geht sollte man sich die ersten 3 bis 4 Wochen ein Auto mieten.
- Von zu Hause sollte man unbedingt folgende Infos mitnehmen
- eine amtlich beglaubigte Übersetzung des Führerscheins
- eine Versicherungsbestätigung eurer Autoversicherung, damit man nachweisen kann, dass man in Europa auch unfallfrei mit dem Auto gefahren ist (auf Englisch)
- eine Verkehrsregisterauszug des Verkehrsamt um nachzuweisen, dass man keine Unfälle oder Strafen hatte (auf Englisch)
- mit diesen Infos kann man eine relativ günstige Autoversicherung finden (unter 1500 $ / Jahr), ohne die Infos wird man als Führerscheinneuling eingestuft, was die Vollkasko für einen Neuwagen auf 2500 bis 3400 $ / Jahr bringen kann. Die Vorarbeit lohnt sich also!
- Danach muss man sich einen kanadischen Führerschein ausstellen lassen. Kopiert bitte euren originalen Führerschein, da dieser eingezogen wird und nicht mehr zurückgegeben wird. Ausserdem brauht ihr eine amtlich beglaubigte Übersetzung des Führerscheins. Ohne die läuft gar nichts… Als Fahrzeuglenker aus Mitteleuropa bekommt man die Drivers License anstandslos, dauerte bei mir gerade mal 20 Minuten.
- Danach muss man sich ein entsprechendes Auto aussuchen und, wie überall auf der Welt, sich vor Autoverkäufer in Acht nehmen und feilschen, feilschen, feilschen… Die Tageszeitungen sind zwar randvoll mit Neuwagen und Gebrauchtwagen, dort sind aber immer nur die Einstiegsmodelle drin, Geht man dann zum Autohändler unterscheiden sich die effektiven Preise der Autos (die auch sofort verfügbar sind) deutlich! Meist so gegen 30%. Neuwagen sind verglichen mit Europa relativ günstig, Gebrauchtwagen allerdings dann wieder relativ teuer. Wir haben uns für ein Leasing entschieden – wenn man das Auto bar kaufen kann spart man sich natürlich eine Menge Geld.
- Nachdem man dann den Vertrag unterschieben hat, die Versicherung abgeschlossen hat und einen kanadischen Führerschein hat, muss man sich zuerst eine Nummerntafel holen. Das geht dann aber relativ unkompliziert innerhalb von 10 Minuten.
- Erst dann kann man sich in seinen ersten kanadischen Wagen setzen und losdüsen – hier eine kleine Info: zumindest hier in Edmonton gibt es eine Menge mieserabler Autofahrer…
Unterkunft
- Bei der Suche nach einer neuen Wohnung oder Haus sollte man sich entsprechend Zeit lassen um die richtige Umgebung und die richtigen Schulen zu finden. Wir haben dafür 4 Wochen gebraucht. Da ein Hotelzimmer über so einen langen Zeitraum zu teuer und zu klein wäre, haben wir uns dazu entschlossen den ersten Monat in einer temporären, voll möblierten Wohnung unterzukommen.
- Hier in Kanada ist Kaufen einfacher als Mieten was die Suche nach einem Mietobjekt dementsprechend erschwert. Wer natürlich das entsprechende Kleingeld hat kann sich direkt an einen Makler wenden. Ein durschnittliches Haus mit 3 Schlafzimmern kostet hier in Edmonton ca. 350′000 $, die entsprechende Miete dafür ca. 1′700. Miete und Kauf sind etwas teurer als ich anfangs gedacht oder gehofft habe aber immer noch die billigsten wenn man es mit anderen Städten wie Vancouver oder Toronto vergleicht. Dort zahlt man für das Gleiche 50% mehr…
- Mit den Möbeln ist es hier so eine Sache… Sie sind extrem hässlich (zumindest was es den europäischen Geschmack angeht)! Der durschnittliche Kanadier findet es einfach geil, wenn die Inneneinrichtung im barocken Stil des 17. Jh gehalten ist
Und die Verarbeitung lässt stark zu wünschen übrig. Unsere Sache war’s nicht und da wir uns entschieden hatten, nicht alles nach Kanada zu verschiffen, mussten wir uns wieder auf IKEA zurückbesinnen. Am Ende ist es eine Frage des Geldes, wieviel man für die Übersiedlung ausgeben will aber wer zu Hause gute und schöne Möbel hat, sollte sie vielleicht mitbringen. Einen kleinen Vorgeschmack was kanadische Möbel betrifft findet ihr unter http://www.thebrick.com. - Strom, Gas und Abwasser sind meist Sache des Mieters (zumindest wenn man ein Haus mietet) und auch die wollen alle zuerst mal ein security deposit…
- Für Telefon, Internet und Kabel gibt es mehrere Anbieter, will man allerdings alles aus einer Hand kann man hier in Edmonton nur zwischen Telus und Shaw wählen. Beide bieten relativ günstige Telefonanschlüsse an und für ca. 50 $ / Monat bekommt man 1000 Freiminuten nach Europa.
Verkehr
- Hauptverkehrsmittel hier in Nordamerika ist das Auto.
- Da meine Frau das Auto hat und ich mit dem Bus zur Arbeit fahre, weiss ich auch warum! Öffentlicher Verkehr ist zumindest hier eine Katastrophe aber mit etwas Gedult kommt man irgendwann auch an…
So, dass war diesmal ziemlich ausführlich, sollte aber doch noch jemand Fragen haben, meldet Euch einfach. wir helfen gerne weiter wo wir können.
An alle unsere Freunde und Bekannte: ab 1. Mai könnt ihr uns an folgende Adresse schreiben:
6108 Stinson Way
Edmonton, AB, T6R 0K2
Telefon kommt noch… Und Bilder vom Haus und vom Auto stelle ich auch nächstes Mal online.
Schöne Grüsse aus Edmonton
Die Familie Dobler
Hallo mitnand!
Jetzt habe sogar ich herausgefunden wie eure HP funktioniert. Habe ofter mal geschaut aber anscheinend immer das falsche angeklickt. Freut uns, daß Ihr Euch gut eingelebt habt.
Liebe Grüße speziell an Fabienne.
Schuggi mit Familie